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Qualitätsmanagement

In einem am 31.10.2001 vom ift-Rosenheim veröffentlichten Beitrag wird zum Stand der Deregulierung und Produktnormung in Europa hingewiesen und erklärt. Informierten Kreisen waren seit Veröffentlichung der rechtsvorbereitenden Akte der Europäischen Gemeinschaft im Amtsblatt (C 231 vom 8.9.1989, S. 3) die sich anbahnenden Veränderungen bekannt - GRUNDLAGEN FÜR DIE BESEITIGUNG VON HANDELSHEMMNISSEN - EIN GLOBALES KONZEPT FÜR ZERTIFIZIERUNG UND PRÜFWESEN, Instrument zur Gewährleistung der Qualität bei Industrieerzeugnissen.

Als "GRUNDLAGEN FÜR DIE BESEITIGUNG VON HANDELSHEMMNISSEN" wurde die vorbereitende Rechtsakte im Amtsblatt (C 231 vom 8.9.1989, S. 3) der Europäischen Gemeinschaft veröffentlicht - EIN GLOBALES KONZEPT FÜR ZERTIFIZIERUNG UND PRÜFWESEN, Instrument zur Gewährleistung der Qualität bei Industrieerzeugnissen. Siehe dazu: Beitrag aus "glas + rahmen" 21 u. 22/1994: QM, DIN ISO 9000 Was bringen Qualitätsmanagementsysteme?


Dipl.-Ing. (FH) Ulrich Sieberath: Stand der Produktnormung in Europa (31.10.2001)

1 Einleitung

Als wesentlicher Schritt zur Deregulierung und zum Abbau von Handelshemmnissen ist die Produktnormung in Europa weit fortgeschritten. Normtitel, Normnummern und Stand der Bearbeitung sind Tabelle 1 zu entnehmen.

 

Tabelle 1 Übersicht der Produktnormen

Mit diesen Papieren wäre die Chance zur Deregulierung und Zurücknahme des staatlichen Einflusses sehr groß. Leider bleibt festzustellen, dass noch vor einer Veröffentlichung dieser Regeln nationale Besonderheiten in Arbeit sind, die eine Anwendung und damit einen ungehinderten Marktzugang erschweren.

2 Konzept der Produktnormen

Alle Produktnormen, wenn auch teilweise etwas unterschiedlich aufgebaut, wurden auf Grundlage eines einheitlichen Konzeptes erstellt. So regelt ein Teil der Produktnormen die wesentlichen Anforderungen der Bauproduktenrichtlinie. Die Produktnormen werden nach ihrer Verabschiedung als harmonisierte Normen als Grundlage des baurechtlich geforderten CE-Zeichens dienen.

Ein freiwilliger Teil regelt die möglichen vom Bauherrn oder Architekten im Rahmen der Ausschreibung zu fordernden zusätzlichen Qualitäts- und Anforderungsmerkmale.

In den Anhängen werden die Bedingungen zur Eigen- und Fremdüberwachung der Produkte, soweit vorgeschrieben, sowie die Besonderheiten zur Anwendung und Übertragung der Prüfergebnisse festgelegt. Sofern möglich wurde versucht, alle Nachweise auf Grundlage einer Prüfung, einer Berechnung oder auf Grundlage von Anwendungstabellen führen zu können.

Kernstück der Produktnormen sind die Klassifizierungstabellen (Tabelle 2, Tabelle 3), die nicht nur für den Anwender alle möglichen Anforderungen, die an das Bauprodukt gestellt werden können, übersichtlich zusammenfassen.

Tabelle 2 Produktnorm Fenster - Klassifizierung der mandatierten Eigenschaften

Tabelle 3 Produktnorm Vorhangfassaden - Klassifizierung und Bezeichnung

3 Stand der Produktnorm "Fenster und Außentüren"

Leider mahlen die Mühlen in Europa langsam. So wurde die Produktnorm "Fenster und Außentüren" bereits im Frühjahr auch redaktionell fertiggestellt und an das TC33 Sekretariat zur Veröffentlichung als Entwurf weitergegeben. Aber auch ohne eine offizielle Veröffentlichung ist eine rege Diskussion über die Anwendung der künftigen Produktnorm in Fachkreisen bereits im Gange.

So liegen erste Stellungnahmen einzelner Länder auf Grundlage des Druckmanuskriptes bereits vor. Diese betreffen vor allen Dingen die Frage des Nachweises der wärmeschutztechnischen Kenndaten. Das bisher im Rahmen der Ausschussarbeit verfolgte Konzept läuft darauf hinaus, die wärmeschutztechnischen Kenndaten, wie U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient des Fensters) und g-Wert, (Gesamtenergiedurchlassgrad) an der Standardgröße von 1,23 - 1,48 m 2 zum Nachweis der mit dem CE-Kennzeichen zu deklarierenden Kenngröße zu bestimmen.

Nationale Bemessungsnormen sollen dann die Anwendungsregeln zur Bemessung unterschiedlicher Fenstergrößen und Teilungen auf Grundlage dieser mit dem CE-Kennzeichen vom Hersteller erklärten Kenngrößen beinhalten. Erste Stimmen werden laut, die fordern, dass der für das CE-Kennzeichen heranzuziehende Wert für die individuelle Fenstergröße und Teilung zu bestimmen ist.

3.1 Schnittstelle zwischen Fenster und Fassade

Da künftig unterschiedliche Regeln für die Ermittlung der Kenngrößen bei Fenstern und Fassaden anzuwenden sind, ist die Bestimmung der Grenzlinie zwischen diesen beiden Produkten besonders wichtig.

Im Wesentlichen werden an Fassaden höhere Anforderungen in Bezug auf die Widerstandsfähigkeit gegen Windlast, Schlagregendichtheit und Luftdurchlässigkeit gestellt. Zudem ist eine detailliertere statische Bemessung erforderlich. Hängt doch, im Gegensatz zum Fenster, die Fassade freitragend am Gebäude, während das Eigengewicht des Fensters auf der Geschossdecke abgetragen wird. Im Rahmen der Normung wurde hierzu die Definition gefunden:

Fenster:

Ein in eine Wandöffnung zwischen zwei Geschossdecken eingebautes Element, bestehend aus Fensterrahmen und gegebenenfalls zu öffnenden Flügeln mit Glas oder sonstigen Füllungen. Es dient im Wesentlichen zur Belichtung und Belüftung der Räume und trennt das Innenraumklima vom Außenklima.

Fassade:

Ein geschosshoch oder geschossübergreifendes vorgehängtes Bauteil.

Bild 1 Unterschied zwischen Fenster und Fassade

Ein öffenbares Bauteil, zu Lüftungszwecken in die Fassade integriert, wird demnach als Fenster betrachtet.

3.2 Nationale Bemessungsnormen

Zur Sicherstellung des nationalen Sicherheitskonzeptes ist es in Einzelbereichen erforderlich, die mit dem CE-Kennzeichen deklarierten Werte des Herstellers durch nationale Bemessungsspielregeln anwendbar zu machen. Dieses Konzept ist nicht neu und ausdrücklich im neuen Ansatz zur Bauproduktenrichtlinie erwähnt. Natürlich dürfen diese Regeln keine zusätzlichen Anforderungen an das Bauteil stellen.

Dieses Verfahren wird am ehesten am Beispiel des Wärmeschutzes deutlich. Wie bereits erwähnt, ist der mit dem CE-Kennzeichen vom Hersteller erklärte Kennwert in einigen Fällen auf eine Standardgröße bezogen und berücksichtigt keine Sprossen, Abweichungen von der Größe des Bauteils oder bei der Ermittlung des Wärmedurchgangskoeffizienten nach der Anwendungstabelle aus DIN EN ISO 10077-1 den wärmetechnisch verbesserten Randverbund von Isolierglasscheiben.

Vorgesehen und bereits in einer Normvorlage zu DIN V 4108-4 enthalten ist deshalb ein Kapitel 5 "Bemessungswerte für Fenster und Fenstertüren sowie Dachflächenfenster" (Stand 15.09.01). Kernstück ist die dort aufgeführte Tabelle 9 mit Korrekturwerten für Glas, Randverbund und Sprossen. Die Festlegung eines Glasbeiwertes wird zur Zeit sehr umfangreich diskutiert. Mit ihm verbunden ist die in Deutschland bekannte Eigen- und Fremdüberwachung bei beschichteten und gasgefüllten Isolierglasscheiben. Führt also ein Glashersteller diese Eigen- und Fremdüberwachung nach bereits bekannten Größen (die Festlegung erfolgte hier in einem Anhang B) durch, so entfällt dieser Korrekturbeiwert für das Fenster.

4 Einsatzempfehlungen

Wie bereits anlässlich der letzten Rosenheimer Fenstertage berichtet, ist mit Verabschiedung der Produktnorm eine Zurückziehung der nationalen Regeln, so auch der DIN 18055 "Fenster; Fugendurchlässigkeit, Schlagregendichtheit und mechanische Beanspruchung; Anforderungen und Prüfung" zu erwarten. Damit verbunden stellt sich für den Architekten, Fensterbauer und Bauherren die Frage, aus der Vielfalt der europäischen Klassen die richtigen Klassifizierungen auszuwählen und anzuwenden. Dieses Papier wird keine eigene Anforderung beinhalten, sondern gegebene Regeln so aufarbeiten, dass der Anwender in bekannter, einfacher Weise die erforderliche Klassifizierung nach Gebäudehöhe und Lage bestimmen kann.

Es ist vorgesehen, diese Einsatzempfehlungen nach dem Stand der Normungsarbeit zu vervollständigen. Der Teil 1 dieser Einsatzempfehlungen beschäftigt sich deshalb mit Widerstandsfähigkeit gegen Windlast, Schlagregendichtheit und Luftdurchlässigkeit. Eingearbeitet wurden die gemäß Eurocode 1 Teil 4 Windlasten vorgegebenen Einwirkungen auf Tragwerke und die auf dieser Grundlage zur Zeit in Überarbeitung befindliche 1055-4.

Beim Vergleich der Windlasten nach 1055-4 und dem Eurocode 1 ergeben sich wesentliche Erhöhungen der Anforderungen an die Widerstandsfähigkeit gegen Windlast. Für den "ungünstigsten Fall" wurden an Hand eines Berechnungsbeispieles Erhöhungen der Windlasten in Höhe von bis zu 130 % festgestellt. Die Neuerungen nach dem Eurocode 1 bestehen hauptsächlich darin, dass bei jedem Bauwerk der Druckbeiwert je nach Windlastzone und Windangriffsprofil sowie der Standortbeiwert nach der Geländekategorie ermittelt wird, um die Windbelastung zu errechnen. Die aus diesen Kriterien errechnete Windbelastung wurde in Relation zur Schlagregendichtheit und zur Luftdurchlässigkeit gesetzt, um eine Klassifizierung zu erstellen. Die Werte sind in den "Einsatzempfehlungen für Fenster und Außentüren" in Tabellenform erfasst. An Hand des Standorts des Gebäudes, der Geländekategorie und der Windlastzone sowie der Einbauhöhe der Fenster und Haustüren können die Leistungsmerkmale der Fenster und Haustüren bestimmt werden.

5 Zusammenfassung

Auch wenn die Bearbeitung der Normen nach Fertigstellung durch die technischen Arbeitskreise viel zu lange Zeit in Anspruch nimmt, so lichten sich langsam die Wolken am Horizont und das Zusammenspiel nationaler Regeln mit den europäischen Normen ist erkennbar. Ganz so einfach, wie ursprünglich vorgesehen, scheint die Anwendung nicht zu werden. Zumindest in einer Übergangszeit werden nationale Bemessungsregeln die europäischen Normen unterstützen. Sicher wird die nächste Generation der Normer zur Aufgabe haben, auch diese Bemessungsspielregeln untereinander abzugleichen. Dem Anwender werden Hilfen, wie die Einsatzempfehlungen für Fenster, zur Verfügung gestellt, um den neuen europäischen Regeln einfach folgen zu können. Zukunftsweisend wurden diese Einsatzempfehlungen so aufgearbeitet, dass sie nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen europäischen Ländern angewandt werden können. Im Wesentlichen wurde dies durch die Einarbeitung der Regeln auf Grundlage des Eurocodes "Windlasten" erreicht.

Für alle bleibt zu hoffen, dass die europäische Normungsbürokratie etwas mehr in Fahrt kommt und wichtige Dokumente wie unsere Produktnorm "Fenster- und Außentüren" schneller fertiggestellt werden. Nach allen bisherigen Verzögerungen ist mit einer Veröffentlichung zu Beginn des Jahres 2002 zu rechnen.

(Quelle: ift-Rosenheim)


Abschließend sei noch einmal an den Beitrag aus "glas + rahmen" 21 u. 22/1994 unter QM, DIN ISO 9000 erinnert.


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