Integratio® - Fensterhelfer


Allgemeine Fenstertechnik

2.9. Lüftung

Insbesondere unter Berücksichtigung verantwortungsbewußter Verwendung von Heizenergie, stiegen die Forderungen an die Bauelemente. Diese weisen nicht nur bessere Isolierwerte auf, sondern reduzieren ebenso unkontrollierte Lüftungs-Wärmeverluste. Kunststoffenster weisen normalerweise einen a-Wert (spezifische Fugendurchlässigkeit) von 0,2 bis 0,3 m3/h m Pa auf. Zulässig für Fenster ab Beanspruchungsgruppe B: 1,0 m3/h m Pa.

Dem aufmerksamen Betrachter fällt auf, daß bereits bei den bestehenden Gebäuden mit neuen Kunststoffenstern - umso mehr bei zukünftigen Maßnahmen gemäß Vorgaben der WSchV - erhebliche Probleme in Bezug auf Taupunktbildung in den Laibungsbereichen entstehen und zukünftig in noch stärkerem Maß zu rechnen ist. Die geringsten Mängel, bspw. mangelhafte Verfüllung der Randbereiche zwischen Blendrahmen und Mauerwerk usw. können zu erheblichen Schäden an der Bausubstanz führen.

Lüftung und WSchV 95:

Die erste Wärmeschutzverordnung von 1977, der Novellierung im Februar 1982 - sie erlangte am 1. Januar 1984 Gesetzeskraft und die dritte Wärmeschutzverordnung, allgemein WSchV 95 genannt, brachten auch für den Themenbereich Fenster Veränderungen.

Im Wesentlichen werden darin (siehe DIN 4108 - Wärmeschutz im Hochbau) Wärmeschutz- und Dichtigkeitsanforderungen für Umfassungsbauteile (wärmeübertragende Bauteile, die "die eigentliche Bauhülle" darstellen) festgelegt. Gemäß WSchV 84 wurden nach dem sogenannten Bauteilverfahren die Qualität der Umfassungsbauteile geregelt, dabei handelt es sich um Außenwand, Geschoßdecke unter nicht ausgebautem Dachgeschoß, Kellerdecke, Fenster, Fenstertüren usw. Die in Anlage 1 der WSchV genannten Maximalwerte durften nicht überschritten werden. Die mathematische Ermittlung weitergehender Forderungen waren (und sind stets) Bestandteil planerischer Leistung, d.h. Aufgabe des Architekten.

In der WSchV 95 (dritte Wärmeschutzverordnung) werden nicht nur die k-Werte der Umfassungsbauteile verändert, sondern als Zielgröße der Jahresheizwärmebedarf definiert. Als Grundlage können (gesonderte Hinweise für den Altbau beachten) also nicht mehr die Transmissionswärmeverluste durch Vorgabe der k-Werte und die Lüftungswärmeverluste durch Begrenzung der Fugendurchlaßkoeffizienten genommen werden; der Jahresheizwärmebedarf errechnet sich auch unter Berücksichtigung nutzbarer solarer Wärmegewinne.

Unter Berücksichtigung der technischen Erfolge in der Fenstertechnik und der Forderungen der WSchV 95 kann zusammenfassend festgestellt werden, daß die Fenster und alle Anschlußfugen "dicht" sein sollen. Dem folgend ergeben sich drei beachtenswerte Themenkreise:

2.9.1. Energieeinsparung oder Lüftung?

Die Forderung nach dichten Fenstern ist in DIN 18055 (Fenster; Fugendurchlässigkeit, Schlagregendichtheit und mechanische Beanspruchung; Anforderungen und Prüfung - 1981-10) geregelt - Prüfung gemäß DIN EN 42 (Prüfverfahren für Fenster; Prüfung der Fugendurchlässigkeit - 1981-01). Danach ergeben sich die spezifischen Fugendurchlaßwerte/a-Werte.

Die längenbezogene Fugendurchlässigkeit (allgemein spezifischer Fugendurchlaßwert oder a-Wert genannt) muß nachfolgende Werte berücksichtigen.

Beanspruchungs- gruppe

Prüfdruck

Zulässige Werte kleiner/gleich

Max. Werte *

A

150 Pa

0,10 m3/h · cm

0,15 m3/h · cm

B

300 Pa

0,10 m3/h · cm

0,25 m3/h · cm

C

600 Pa

0,10 m3/h · cm

0,35 m3/h · cm

* Der zulässige Wert darf höchstens einmal überschritten werden. Der Maximalwert darf in keinem Fall überschritten werden.

Sämtliche Werte lassen sich von cm in m umrechnen. Werte eines Beispiels sind aus dem nachstehend eingesetzten (veränderten) Prüfblatt zu ersehen.

Das Fenster aus dem obenstehenden Prüfblatt war für Beanspruchungsgruppe A (Bg A); wurde jedoch bis 900 Pa geprüft. Die Prüfwerte sind mit der unteren Kurve verdeutlicht. Den darüberliegenden Linienverläufen auf dem Prüfblatt (Beanspruchungsgruppe A und B) ist zu entnehmen, daß Fenster der Bg A einen (jeweils weit über der Praxis liegenden) a-Wert von kleiner/gleich 2,0 m3/h m und Fenster der Bg B einen a-Wert von kleiner/gleich 1,0 m3/h m aufweisen dürfen.

Zusammenfassend kann man zur unkontrollierten Lüftung über die Fugen zwischen Fensterflügel und Blendrahmen sagen, daß alle Fenster (zu) dicht schließen. Aus Sicht des Wärmeschutzes ist dies von Vorteil; darauf muß sich der Benutzer jedoch einstellen.

Die Lüftungsgewohnheiten sind unter Berücksichtigung der Fenstertechnik zu verändern. Aus diesem Grund werden vom Fensterbauer Lüftungshinweise, insbesondere beim Einbau neuer Fenster in alte Bausubstanz, zur Verfügung gestellt. Nachstehend ein Beispiel eines derartigen Hinweises.


Lieber Fensterbenutzer,

Ihre neuen Fenster weisen besonders gute Schall- und Wärmedämmeigenschaften auf und schließen besonders dicht. Deshalb steigt für Sie die Behaglichkeit in Ihren Räumen und Sie müssen weniger heizen. In bewohnten Räumen entsteht immer Feuchtigkeit, besonders in Küche und Bad. Immer wieder entstehen an den kältesten Stellen der Außenwände feuchte Flecken - Folgen von kondensierter Luftfeuchtigkeit: Stockflecken bzw. Schimmelbildung, es riecht muffig, die Tapeten lösen sich ab usw. Dies beeinträchtigt nicht nur das Wohlbefinden, sondern kann den Wärmeschutz der Außenwände herabsetzen und zur Schädigung der Bausubstanz führen.

Wie kommt es zu den Feuchtigkeitsflecken?

Die warme Raumluft trägt Feuchtigkeit; bei einer Temperatur von 20 °C und einer relativen Luftfeuchte von ca. 65 % ca. 12,6 g/m3. Andererseits reduziert sich der absolute Wert auf ca. 3,3 g/m3, wenn die Raumluft auf 10 °C und 35 % relative Luftfeuchte reduziert wird. Aufgrund der dichten Fenster, findet kein unkontrollierter Luftaustausch statt und damit steigt die relative Luftfeuchte an, bis durch das Öffnen des Fensters ein Austausch der warmen Raumluft mit der darin enthaltenen Feuchtigkeit mit der frischen kälteren Außenluft stattfindet, da in dieser weniger Feuchtigkeit enthalten ist.

Sofern nicht gelüftet würde, könnte nun die warme Raumluft mit der darin enthaltenen Feuchtigkeit an eine kalte Oberfläche geraten, die Feuchtigkeit in der Luft an derselben kondensieren - der Bauphysiker sagt, es entsteht Tauwasser. Unter welchen Bedingungen der Taupunkt erreicht wird, kann unter "Leitseite für Menschen und Organisationen, die Fenster brauchen, beschaffen müssen oder herstellen", "Fensterhandbuch", "Kondensatbildung, Gründe" nachgelesen und an einem Diagramm ermittelt werden.

Was sind die Ursachen für die Feuchtigkeitsflecken und was ist dagegen zu tun?


2.9.2. Bedarfsgerechte Lüftung

Der Frischluftbedarf beträgt (je nach Nutzung) 10 bis 25 m3/h Person. Die mit Fenster-Öffnungsarten üblicherweise erreichbaren Luftmengen werden nachstehend aufgeführt. Dabei wird bei der Angabe der Luftwechselraten von einer ca. 80 m2 großen Wohnung ausgegangen; der zugrundegelegte Fensterflügel war ca. 1,00 x 1,20 m groß.

Luftmenge

Luftwechsel

Kippfenster, Öffnungsspalt ca. 2 cm

bis 50 m3/h

0,25

Kippfenster, Öffnungsspalt ca. 6 cm

bis 130 m3/h

0,65

Kippfenster, Öffnungsspalt ca. 12 cm

bis 220 m3/h

1,10

Drehfenster, Öffnungsspalt ca. 6 cm

bis 180 m3/h

0,90

Kippfenster, 90 ° weit geöffnet

bis 800 m3/h

4,00

gegenüber stehende Fenster, 90 ° weit geöffnet

bis 40,00

Es ist Aufgabe des Planers, ausreichende Zu- und Abluft zu berücksichtigen. Gemäß Länderbauordnung muß in jeder Wohnung eine Querlüftung oder Lüftung über Eck möglich sein; darunter versteht man einen Luftstrom zwischen zwei gegenüberliegenden Ebenen. Sofern für die Räume entsprechende Fenster oder Lüftungseinrichtungen mit Lüftungsleitungen vorgesehen sind, spricht man von der "Freien Lüftung"; Nachweise für Luftwechselraten o.dgl. sind nicht erforderlich. Die bedarfsgerechte Lüftung ist damit natürlich nicht gewährleistet, weil das Lüften vom Benutzerverhalten abhängt.

Lüftung der Zukunft

Der zunehmende bauliche Wärme- und Schallschutz wird in eine Sackgasse führen, wenn keine baulichen Lüftungsvorkehrungen getroffen werden. Die Menschen halten sich ca. 2/3 ihrer Zeit in geschlossenen Räumen auf. Neben der Temperatur ist zukünftig stärker auf die erforderliche Lüftung, Raumluftfeuchte, Oberflächentemperatur von Bauteilen, Luftbewegung bzw. Strömungsgeschwindigkeiten für das Wohlbefinden zu achten. Die Wechselbeziehungen zwischen Raumeigenschaften und Aufenthalt und Tätigkeit des Menschen in demselben stellen die Eckdaten für Planungsgrundlagen des Lüftens zur Verfügung.

Bei der Lüftung ist insbesondere

zu beachten, wie Raumnutzung, bauphysikalische Umstände usw.

In unseren Breiten kann von einer Frisch- bzw. Außenluftrate von ca. 25 m3/h Person ausgegangen werden. Durch Lüftung mit Fenstern werden die erforderlichen Luftwechselvolumina erreicht, wenn keine planerischen Fehler begangen wurden. Dem steht gegenüber, daß mit der abgeführten warmen Raumluft Heizenergie verloren geht. Lüftungsgeräte (oder geeignete Fensterkonstruktionen) können Einrichtungen der Wärmerückgewinnung beinhalten, mit denen bis zu 60 % der ansonsten abgeführten Wärme zurückgewonnen werden kann.

Inwieweit das Fenster der Zukunft geeignet ist, einerseits dicht und hochdämmend zu sein und andererseits die Lüftungsanforderungen zu erfüllen, bleibt abzuwarten.

Regelwerk

DIN 1946 "Lüftungstechnische Anlagen"

VDI 2088 "Lüftungsanlagen für Wohnungen ..."

DIN 18017, 3 "Lüftung von Bädern und Spülaborten"

DIN 18022 "Planungsgrundlagen für Küchen, Bad, WC und Hausarbeitsraum"

DIN 18379 (VOB, C) "Allgemeine technische Vorschriften für zu erstellende Lüftungsanlagen"

Interessante Zahlen/Hinweise

Für das Behaglichkeitsempfinden ist von einer Raumlufttemperatur von 20 bis 22 °C und ca. 55 % relativer Luftfeuchte auszugehen.

Eine kleine Pflanze verdunstet ca. 10 g/h, ein Gummibaum mittlerer Größe ca. 20 g/h und ein Mensch zwischen 30 bis 40 g/h Feuchtigkeit. Demgemäß ist bei einem Raum durchschnittlicher Größe und Art von ca. 500 g/h und innerhalb 24 Stunden von 12 Liter Wasser auszugehen.

Tauwasserbildung "an der 10°-Isotherme" entsteht, wenn die Raumluft 20 °C beträgt und die relative Luftfeuchte bei 60 % liegt.


2.9.3. Bauanschlußfugen richtig abdichten

Wie in allen bisherigen Fällen, in denen mit erhöhter Feuchtigkeitsbelastung und/oder starker Luftfeuchte gerechnet werden mußte, werden zukünftig in stärkerem Maß die inneren Anschlußbereiche beachtet werden müssen. Innere Abdichtungen mit hohem Dampfdruck-Diffusionswiderstand und schlagregendichte äußere Abdichtungen mit möglichst niedrigem Dampfdruck-Diffusionswiderstand werden in stärkerem Maß erforderlich sein. Ja nach k-Wert des Rahmenmaterials und/oder der Anschlußbereiche mußte schon bisher unter Berücksichtigung des erhöhten Wärmeschutzes eine raumseitige Abdichtung so ausgeführt werden, daß Tauwasser an Bauteiloberflächen und Tauwasser im Bauteilinnern vermieden wird - die Fuge mußte/muß "Dampfdicht" sein.

Auszug aus einer Gutachtensache mit entsprechender Fragestellung:

Im Zusammenhang mit den Wärmedurchgangswerten muß ebenso beachtet werden, ob (auch partielle) Tauwasserbildung (laienhaft Schwitzwasserbildung) vermieden wird. In DIN 4108, Teil 3 wird u.a. für Aufenthaltsräume in Hochbauten ein sogen. klimabedingter Feuchteschutz gefordert, der in dem Ziel der Vermeidung von Tauwasser an Bauteiloberflächen und Tauwasser im Bauteilinnern (ich beziehe die Anschlußbereiche mit ein, andernfalls würden diese als "eigenständige Substanz" durch das Bauteil beeinflußt und dann stellt sich die Frage, ob ein entsprechender Hinweis [besondere Sachkenntnis] nachweislich erfolgt ist) besteht. Aus diesem Grund sagt DIN 4108, Teil 3 zusammengefaßt (gekürzt mit möglichst weitgehendem Zusammenhang) dazu folgendes:

An der Oberfläche von Außenbauteilen und von Bauteilen zwischen fremden Wohn- und Arbeitsbereichen darf bei üblicher Nutzung von Aufenthaltsräumen aus hygienischen Gründen und zum Schutz der Bauteile kein Tauwasser anfallen. Dies ist dadurch zu verhindern, daß die betreffenden Bauteile mit dem sogen. Mindestwärmeschutz gem. DIN 4108, Teil 2 ausgestattet werden. Dann bleibt die Bauteil-, Wand- oder Deckenoberfläche so warm, daß der Taupunkt der Raumluft dort nicht erreicht wird. Auch an sogen. Wärmebrücken muß dieser Mindestwärmeschutz gegeben sein.

Wie streng diese Forderung an den Mindestwärmeschutz ist, geht aus den Tabellen 1 und 2 in DIN 4108, Teil 2 (Wärmeschutz im Hochbau; Wärmedämmung und Wärmespeicherung; Anforderungen und Hinweise für Planung und Ausführung) hervor. Dort werden Wärmedurchlaßwiderstände für Decken, Wände usw. genannt, die in einschichtiger Konstruktion nur schwer oder nicht erreichbar sind. Aus diesem Grund müssen in der Regel Kombinationen mit weniger wärmeleitenden Schichten kombiniert werden.

Nachdem durch die Neufassung der WSchV (95) sehr hohe Anforderungen an den Wärmeschutz gestellt wurden, hat sich die Frage gestellt, ob dann der Mindestwärmeschutz noch relevant ist. Nach Untersuchung und Diskussion in Fachkreisen bestand Einigkeit darin, daß der Mindestwärmeschutz im Bereich sogen. Wärmebrücken vorhanden sein muß. Die WSchV beschränkt zwar den Heizenergieverbrauch durch die Gebäudehüllfläche hindurch, sagt aber über Wärmebrücken nichts aus. Daher müssen wärmetechnische Schwachstellen auf Einhaltung des Mindestwärmeschutzes geprüft werden, weil dort sonst Tauwasser, Staubablagerungen, Schimmelbefall und Materialzerstörungen eintreten können.

Zusammenfassend kann gesagt werden, daß nicht nur G-, k-Werte usw. beachtet werden müssen, sondern u.a. auch die Tauwasserbildung im Bereich sogen. Kältebrücken.

Nun ist bei der Betrachtung des Mindestwärmeschutzes und der Bildung von Tauwasser nicht nur der k-Wert, sondern die sich aus der Konstruktion ergebende raumseitige Oberflächentemperatur zu beachten. Am Beispiel der untenstehenden schematischen Darstellungen einer Profilkonstruktion soll verdeutlicht werden, welche Einflüsse bspw. größere Wärme-Übertragungsflächen haben. So wäre der k-Wert der beiden untenstehenden Konstruktionen mathematisch und meßtechnisch gleich; die inneren/raumseitigen Oberflächen jedoch (abhängig von der Außentemperatur) unterschiedlich.

Die Konstruktion mit der größeren Übertragungsfläche auf der Raumseite weist auf der Raumseite höhere Profil-Oberflächentemperaturen auf, weil die warme Raumluft das Profil "besser erwärmen" kann.

Der in DIN 4108 geforderte Schutz der Bauteile sagt, daß bspw. bei Taupunktbildung innerhalb des Anschlußbereichs eine Durchfeuchtung desselben erwartet werden muß und dadurch auch Substanzschädigung, wie negative Veränderung der technischen Werte des Mauerwerks, Hausschwamm (anzeigepflichtiger Schaden an einem Gebäude) usw.

So wird die sogen. 10°-Isotherme bei dieser Mauerwerks-Anschlußausbildung und einem Rahmenmaterial (ich gehe vom Meßwert und nicht vom gem. Regelwerk anzunehmenden Wert aus) mit einem k-Wert von 3,1 W/m2 K bei der in "unserer Klimazone" anzusetzenden "Wintertemperatur" erfahrungsgemäß auf der raumseitigen Oberfläche der Fensterrahmen liegen.

Abweichend von "normalen" Ausführungslösungen hätten u.U. auch Dampfsperren im Bereich der raumseitigen Laibung bzw. Fenster-Anschlußbereiche angeordnet werden können. Demgemäß wären dann die Anschlüsse mit bspw. Polybuthylenstreifen abgeklebt und der Raumseite zugewandte Laibungsbereiche mit einer dampfdruckdiffusionsdichten Folie beklebt worden. Diese/derartige Ausführungsarten konnte ich nicht feststellen.

Andererseits hätte bei Ausführung gem. vorstehend beschriebener "Abweichung" in der Art, daß von der Antragsgegnerin die Anschlüsse mit Polybuthylenstreifen abgeklebt worden wären, ein Hinweis zur Behandlung der Laibung mit dampfdruckdiffusionsdichter Folie erfolgen müssen. Dies wäre erforderlich gewesen, damit keine Feuchtigkeitsaufnahme in bspw. dicker Tapete, Rauhfaser o.dgl. hätte stattfinden können, wodurch wiederum eine "Grundlage" zur Entstehung und dem Bestand von Schimmelpilzen gegeben gewesen wäre; siehe DIN 4108 bezüglich "Mindestwärmeschutz, Tauwasser, Staubablagerungen, Schimmelbefall und Materialzerstörungen".


Unabhängig von vorstehender Behandlung in einer Gutachtensache mit Aluminiumfenstern mit (gem. DIN 4108) Rahmenmaterialgruppe 2.2 (2,8 -3,5 W/m2 K) und mangelhafter Anschlußausbildung ergibt sich aus den Veröffentlichungen im Laufe der ersten Jahreshälfte 1997, daß die raumseitige Abdichtung nunmehr als Stand der Technik allgemein anerkannt ist. Die Aussagen des nachstehenden Auszugs der Ausgabe 04/95 des "Leitfaden zur Montage" der "RAL-Gütegemeinschaft" waren in den verschiedenen Ausgaben seit Anfang 1994 enthalten.

Dichtebenen

Bei der Planung und Montage muß unbedingt beachtet werden, daß die Trennung von Raum- und Außenklima (innere Abdichtung) umlaufend und dauerhaft dampfdiffusionsdichter als der Wetterschutz (äußere Abdichtung) ist.

Der Wetterschutz kann umlaufend dicht oder sinnvoll unterbrochen werden.

Das Eintreten von Raumfeuchte in die Fuge muß verhindert werden, bzw. eingetretene Feuchte muß nach außen abdiffundieren können.

Abdichtungsfunktionen

Die Dampfbremse und Windsperre sind grundsätzlich im raumseitigen bzw. Innenbereich von Bauteilen anzuordnen. Durch sie wird verhindert, daß Raumluft und -feuchte in die Konstruktion eindringt und diese dann an Stellen, deren Oberflächentemperaturen unterhalb der Taupunkttemperaturen liegen, als Tauwasser ausfällt.

Die innere/raumseitige Abdichtung gewährleistet bei richtiger Ausführung diese Anforderung.

Der Wetterschutz besteht aus der Regensperre. Er kann je nach Ausführung eine zusätzliche Windsperre beinhalten.

Lage des Dichtsystems in der Fuge

Das Postulat der dauerhaft dichten Trennung von Raum- und Außenklima wird in den untenstehenden Abbildungen verdeutlicht. Die Feuchtigkeit in der Fuge, bei gleichen klimatischen Bedingungen, wird bestimmt durch die Lage des Dichtsystems in der Fuge. Die dampfdichte Abdichtung im inneren/raumseitigen Anschlußbereich verhindert das Einströmen von Raumluft in die Fuge. Der Fugenraum bleibt trocken, wenn er nach außen geöffnet oder dampfdiffusionsoffener gestaltet wird.

Bei Abdichtung der äußeren Anschlußfuge und Öffnen der Fuge zur Raumseite dringt Raumluft in die Fuge ein. Der Feuchtegehalt in der Fuge steigt. Die Fugentemperatur entspricht der Taupunkttemperatur. Tauwasser fällt aus und führt unweigerlich zur Schädigung des Anschlußbereiches.

Mitteilung der Technische Beratungsstelle im Fachverband Fensterbau Baden-Württemberg

Spätestens durch Veröffentlichung im Mai 1997 ist allen Fensterbauern bekannt gemacht:

Innere Abdichtung der Bauanschlußfuge ist jetzt Stand der Technik

Obwohl den vorstehenden Schilderungen des Regelwerks entnommen werden kann, daß die raumseitige Abdichtung seit einigen Jahren Stand der Technik war, hat sich die Technische Beratungsstelle im Fachverband Fensterbau Baden-Württemberg noch einmal intensiv mit diesem Thema auseiandergesetzt. Auf Anfrage teilte die oberste Bauaufsicht Baden-Württemberg dem Fachverband mit, daß eine "dauerelastische Dichtung ausgeführt werden muß". Im Schreiben vom 21.02.1997 weist das Wirtschaftsministerium - als oberste Bauaufsichtsbehörde - Baden-Württemberg den Fachverband auf eine Abstimmung der gemachten Aussage im zuständigen Gremium der ARGEBAU und im Sachverständigenausschuß des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt) hin. Insbesondere komme komme der von der WSchV seit über 13 Jahren geforderten "dauerhaft luftundurchlässigen Abdichtung von Fugen" für die heute gebräuchlichen energiesparenden Bauweisen eine erhebliche Bedeutung zu. Unkontrollierte Lüftungswärmeverluste, z.B. über die Anschlußfuge zwischen Fenster und Baukörper, würden das Ziel der WSchV, nämlich den Heizwärmebedarf von Gebäuden auf ein Mindestmaß zu begrenzen, konterkarieren. Das Schreiben geht ebenfalls auf die Mangelhaftigkeit von Schaumabdichtungen ein und sagt, daß nur bei dauerelastischen Dichtstoffen von einer dauerhafte Abdichtung ausgegangen werden könne. "Anschlußfuge zwischen Fenster und Baukörper müssen deshalb sorgfältig geplant und unter Verwendung dauerelastischer Dichtungen sachgerecht ausgeführt werden."

Weiterhin wird mit Bezugnahme auf eine Rücksprache mit dem Bundesbauministerium ausgeführt, daß der gegenwärtige Stand der Technik bezüglich der Ausbildung von Anschlußfuge zwischen Fenster und Baukörper in der Vornorm DIN V 4108-7: 1996-11 beschrieben wird. Das Bundesbauministerium beabsichtigt, diese Vornorm als Regel der Technik nach § 10 Abs. 2 der WSchV zu benennen.

Die in der Vornorm enthaltenen Beispiele zeigen, daß eine elastische Abdichtung (in Anlehnung an DIN 18540) aus Fugendichtstoff und Hinterfüllmaterial besteht. Das Hinterfüllmaterial ist aus geeignetem geschlossenzelligen, nicht saugenden Material und die Fugenflanken parallel verlaufen müssen. Besonders beachtenswert ist die Ausführung, daß "Bauteile aus Mauerwerk an den Fugenflanken an den Fugenflanken vollfugig hergestellt sein müssen, und die Mauersteinfugen bündig abgestrichen sein müssen". Ist dies nicht der Fall, hat der Ausführende lt. VOB seine Bedenken geltend zu machen - " ... gemäß ATV VOB DIN 18355 "Tischlerarbeiten", 3.1.2 melden wir Bedenken wegen der fehlenden Voraussetzung für die Befestigung und Abdichtung der einzubauenden Bauteile zum Baukörper an. Die Mauersteinfugen sind nicht glatt/bündig abgestrichen, wodurch die Abdichtung nicht gemäß Regelwerk ausgeführt werden kann".

Die in der obenstehenden Darstellung eines seitlichen Anschlusses geht von innerer und äußerer Abdichtung mit dauerelastischen Dichtstoffen aus. Die äußere Fuge könnte bspw. auch mit vorkomprimierten Dichtungsbändern ausgeführt werden, da diese einen niedrigeren Dampfdiffusionswiderstand aufweisen als die Abdichtung mit dauerelastischen Dichtstoffen. Für beide Fugenbereiche gilt, daß die "Fugenflanken" glatt/bündig abgestrichen sein müssen.


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