Integratio® - Fensterhelfer


Allgemeine Fenstertechnik

2.4. Übliche Schäden

2.4.1. Eckenrisse

Eckenrisse sind selten eine Folge mangelhafter Schweißqualität, sondern in den meisten Fällen eine Folge von Kerben. Diese entstehen, wenn die Innenecken einer Rahmenecke mit einem Stechbeitel von den Schweißraupen befreit werden sollen und dabei mit dem Stechbeitel Kerben eingestochen werden. Diese sind Ausgangspunkt für einen unabhängig von der Gehrung bzw. geschweißten Ecke verlaufenden Riß.

Die Eckenrißbildung geht also von einer Kerbe aus. Sie entsteht, wenn die Ecke belastet wird. Derartige Belastungen entstehen, wenn

Zumeist kann man davon ausgehen, daß Eckenrisse immer dann entstehen, wenn erhöhte Spannungen - zumeist aus thermischen Längenänderungen resultierend - und Kerben im Bereich der Innenecke als Ausgangspunkt vorhanden waren.

 

Es ist einsichtig, daß die Temperaturaufnahme und das daraus resultierende Temperaturmittel eines weißen Profils niedriger liegt als bei einem dunklen. Naturgemäß muß dann die thermische Längenänderung und das daraus entstehende Spannungsniveau bei dunklen Fenstern höher liegen als bei weißen Fenstern. Die Probleme der dunklen Rahmen sind aber nicht nur in diesem Zusammenhang zu beachten; es ergeben sich weiterhin:

2.4.2. Farbige Fenster

Aus homogen eingefärbtem farbigen PVC hergestellte Fensterprofile verursachen zumeist größere Probleme als weiße; insbesondere, wenn die Farbe dunkel ist oder zu einer im Vergleich wesentlich höheren Temperaturaufnahme führt. Aus diesem Grund die nachstehenden Anmerkungen in Bezugnahme auf braune Fenster - zumal andere Farben eher als Sonderlösungen mit nicht nennenswerten Marktanteilen gesehen werden können.

BRAUNE FENSTER aus homogen eingefärbtem PVC sind nicht so wetterecht wie weiße. Das bedeutet, daß ihre Widerstandsfähigkeit gegen Farbänderungen schlechter ist. Besondere Oberfächenbehandlungen oder -arten, wie Dekorfolien, Acryl-Deckschichten usw. sind hiermit nicht gemeint.

BRAUNE FENSTER -oder besser Türen- weisen eher Funktionsstörungen auf, weil die entstehenden Längenänderungen *09 der Rahmen unter Umständen so groß ist, daß ein Drehkipp-Flügel bei hohen Temperaturen auf der Kippschließplatte schwer aufläuft oder bei niedrigen Temperaturen hakt.

Im Zusammenhang mit Kunststoffenstern vertritt der Verfasser eine Philosophie, wie sie Henry Ford zu eigen war, "Kunststoffenster können in allen Farben hergestellt werden, wenn sie nur weiß sind", wenn auch die Begründung nicht im wirtschaftlichen sondern im technischen Bereich liegt.

2.4.3. Flügelrahmen- oder Blendrahmenprofile sind durchgebogen [vgl. 2.1.2. "Braune oder farbige Fenster" und 2.1.3. "Temperaturbedingte Längenänderungen"]

Flügelrahmenprofile biegen sich auf ihrer Länge -dies ist besonders häufig bei Türen der Fall- normalerweise zur Scheibe hin, weil die Ecken zumeist auf ein engeres Maß als 90 ° geschweißt werden. Die Ursache dafür liegt oft in der Profilgeometrie u.dgl., nicht in falsch eingestellten Maschinen. Es ist darauf zu achten, daß derartige Durchbiegungen durch Einbringen von Distanzklötzen (Kammerbrücken; Falz darf nicht abgesperrt werden) verhindert werden. Ansonsten würde das Kammermaß um das Durchbiegungsmaß vergrößert werden, was im Extremfall dazu führt, daß die Mittelverschlüsse nicht mehr in die Schließstücke eingreifen.

Wenn Flügelprofile von der Scheibe weg, d.h. nach außen durchgebogen sind, liegt die Ursache normalerweise darin, daß die Glasklötze mit einem zu großen Abstand von der Rahmenecke gesetzt wurden. Eine andere Ursache kann in einer für das verwendete Rahmenprofil oder die verwendete Verstärkung unzulässigen Größe des Rahmens liegen. Aufgrund des zu geringen Trägheitsmoments (y Achse) des Rahmenprofils bzw. der verwendeten Verstärkung, kommt es dann zur Durchbiegung. Abhilfe kann im Rahmen einer angemessenen Schadensbeseitigung u.U. bei geringen Durchbiegungen durch "Verkleben" der Scheibe am äußeren Aufdeck bzw. der Dichtung geschaffen werden.

Durchbiegungen am Blendrahmen sind eine Folge mangelhafter Montage und sollten nur durch Behebung des Mangels beseitigt werden. Wenn der Blendrahmen an einem Fenster mit Rolladenkasten im oberen waagerechten Bereich nach unten durchhängt, liegt der Grund in der mangelhaften Verstärkung (y Achse) des Blendrahmens. Dem kann - wenn der Rotationsdurchmesser des Rolladens dies zuläßt - durch ein im Rolladenkasten zusätzlich auf dem Blendrahmenprofil verschraubtes Stahlprofil begegnet werden.

2.4.4. Es zieht

Mit dieser Aussage werden allgemein evtl. vorhandene Undichtigkeiten beschrieben. Sofern Undichtigkeiten diskutiert werden, definiert der Fachmann die Undichtigkeit als "ein gemäß DIN 18 055 unzulässig hoher a-Wert bzw. spezifische Fugendurchlässigkeit".

Eine einfache und jedem Laien mögliche Methode zur Überprüfung des Verschlußes und der Dichtungsanlage ist es, wenn bei gelöstem Verschluß bzw. leicht geöffnetem Fenster ein Papierstreifen zwischen Flügel und Blendrahmen gelegt wird. Nachdem der Flügel geschlossen wurde, darf sich der Papierstreifen nur mit Widerstand herausziehen lassen. Natürlich sollte eine exakte Bewertung dem Fachmann vorbehalten bleiben; die beschriebene Methode leistet aber gute Dienste als Tendenzaussage.

VORSICHT ist geboten, wenn Laien mit individueller Betrachtung Aussagen zur Dichtigkeit treffen. In keinem Fall sollten hemmunglos Einstellarbeiten an Beschlagteilen durchgeführt werden, um die Dichtigkeit eines Fensters zu verbessern. Ein Kunststoffenster ist ein komplexes System; Einstellarbeiten sollten vom Fachmann durchgeführt werden. Zu stramm eingestellte Verschlüsse führen zu erhöhtem Verschleiß. Eine Reduzierung des Fugendurchlaßkoeffizienten wird selten erreicht und würde keinen meßbaren Nutzen bringen. Sind doch die Kunststoffenster normalerweise aus lüftungstechnischer und bauphysikalischer Sicht zu dicht.

2.4.5. Es zieht, obwohl die Fenster dicht sind

Natürlich ist diese Aussage nicht ernst gemeint. Trotzdem werden oft Undichtigkeiten bzw. Zugerscheinungen beklagt, obwohl das Fenster keine feststellbaren Mängel aufweist.

Derartige als Zugerscheinungen empfundene Störungen sind zumeist bauphysikalischer und/oder physiologischer Natur. Es zieht nicht, es kommt aber zu erhöhter Konvektion und/oder erhöhter Wärmeabstrahlung des menschlichen Körpers.

Erhöhte Konvektion mit negativen Zugerscheinungen entsteht, wenn in einem Raum die Heizung bspw. an der dem Fenster gegenüberliegenden Wand angeordnet ist.

Naturgemäß strömt die bspw. am Heizkörper aufgewärmte Luft nach oben; ist sie doch leichter als die sie umgebende Raumluft. Sie verteilt sich an der Zimmerdecke und gelangt so an die Außenwand, in der ein Fenster eingebaut ist. Dort kühlt sie ab, wird somit schwerer als die sie umgebende Raumluft, fällt ab, verteilt sich am Boden und zirkuliert wieder bis zur Heizung.

Es ist einsichtig, daß eine derartige Anordnung zu hoher Luftbewegung mit abgekühlter Luft in den Bereichen führt, in denen sich die Menschen aufhalten. Es "zieht" und der Raum wird als "Fußkalt" empfunden. Bei einer üblichen Anordnung (Heizkörper im Bereich der Fensterbrüstung) würde vor dem Fenster durch die vom Heizkörper aufströmende Warmluft das Temperaturniveau vor dem Fenster angehoben und die zirkulierende Luft könnte sich nicht an einer Außenfläche (Außenwand mit Fenster) derart stark abkühlen - das Behaglichkeitsempfinden würde nicht gestört.

Ein weiterer (physiologischer) Effekt entsteht, wenn der Körper durch erhöhte Wärmeabstrahlung zu einer "kalten" Fläche belastet wird. Jeder wird schon einmal vor einer kalten Wand gesessen und dabei das Empfinden gehabt haben, daß es im Rücken zieht. Das gleiche Gefühl entsteht, wenn man sich bei niedrigen Außentemperaturen vor einer größeren (normalen) Isolierglasscheibe aufhält. Der Wärmedurchgangswiderstand liegt im Vergleich zu einer heute üblichen Wand vergleichsweise niedrig. Die Oberflächentemperatur der Scheibe ist vergleichsweise niedrig. Sie verhindert den Durchgang der vom Körper abgestrahlten Wärme nicht. Neben der erhöhten Konvektion kalter Luft kommt es hier zu erhöhter Wärmeabstrahlung und dem Empfinden, daß das Fenster undicht ist - es zieht.

2.4.6. Die Dichtungsecken klaffen

Derartige Mängel sind insbesondere an den Verglasungsdichtungen immer wieder festzustellen; sie zeigen Verarbeitungsfehler auf. Sie resultieren daraus, daß die Dichtungen vor dem Einziehen nicht auf das erforderliche Längenmaß geschnitten und dann erst eingezogen wurden. Stattdessen wurden die Dichtungen " direkt von der Rolle" eingezogen und dann abgeschnitten.

Es ist logisch (Gummi verändert sein Volumen nicht), daß die Dichtung in dem Bereich, der durch einen engeren Nutbereich gedrückt werden muß, in der Breite zusammengedrückt wird und daraus resultierend eine Längenänderung - immer nur auf dem kurzen Stück, welches durch die Verankerungsnut gezwängt wird - stattfindet. Eine derart eingezogene Dichtung steht unter Spannung und versucht, zumindest um das gereckte Maß kürzer zu werden. Die Stöße - zumeist in den Ecken liegend - reißen auf; es kommt zu Undichtigkeiten.

Die Dichtungen müssen mit ca. 1 % Übermaß geschnitten und mit geringer Stauchung eingebracht sein.

Eine Mängelbeseitigung ist nur durch Auswechselung der Dichtungen möglich; dauerelastische Abdichtungen der offenen Eckbreiche würden nur dann Abhilfe schaffen, wenn keine Spannungen mehr bestehen und die Öffnungen ein sehr geringes Maß aufweisen.

Sinngemäß kann eine nicht mit entsprechendem Übermaß verarbeitete Dichtung bspw. als an den Ecken durchgezogene innere Anschlagdichtung im Flügelaufdeck auch zur Bildung starker Rundungen führen - die Dichtung hat dann in den Eckbereichen keine Anlagefläche mehr.

2.4.7. Durchgebogene Rahmenteile

Bei durchgebogenen Rahmenteilen muß unterschieden werden zwischen:

2.4.7.1. Durchgebogene obere Rahmenteile: Dies ist stets ein Hinweis für eine statisch mangelhafte Ausführung, wenn der Blendrahmen im oberen Bereich an einen Rolladenkasten anschließt. Wenn das Fenster ohne Rolladeneinrichtung ist und der obere Blendrahmenteil oder auch DIE SEITLICHEN BLENDRAHMENTEILE DURCHGEBOGEN sind, ist dies ein Hinweis auf Montagefehler. Die Abstände der Montageelemente (bspw. Fensterdübel) sind u.U. zu groß gewählt usw. Eine häufig auftretende Ursache liegt in der unsachgmäßen Anwendung von Polyurethan-Montage- oder -Verfüllschäumen. Bei Verwendung von sogen. Einkomponenten-PU-Schäumen wird die Reaktion falsch bewertet und nach dem Motto "Viel hilft viel" wird dann der Raum zwischen Blendrahmen und Mauerwerk verschäumt. Damit der Schaum nicht zu stark nach außen tritt/expandiert und die Rahmenprofile in den Sichtbereichen durch darauf haftende PU-Schaum-Reste beschädigt werden, wird dann gern noch mit Wasser-Sprühnebel gearbeitet. Natürlich härtet die Oberfläche des Schaums dann schneller aus. Es kann aber auch dazu führen, daß der Schaum dann nicht mehr frei expandieren kann und somit versucht, den Blendrahmen vom Mauerwerk zu drücken - das Mauerwerk stellt je ein festes Widerlager dar. Wenn die Befestigung der dabei entstehenden Belastung nicht standhält und/oder der Blendrahmen zwischen den Befestigungspunkten keine ausreichende Steifigkeit aufweist, wird dieser zum Flügel hin durchgebogen.

Derartige Mängel sind normalerweise nur durch Beseitigung der Ursachen zu beseitigen. Lediglich bei geringen Durchbiegungen der senkrechten Blendrahmenteile kann u.U. mit anderen Maßnahmen gearbeitet und die Funktion des Elements auf Dauer gesichert werden.

2.4.7.2. Die unteren waagerechten Blendrahmenteile sind durchgebogen, wenn die vorstehend dargestellten Montagefehler vorliegen. Eine andere häufige Ursache liegt auch darin, daß der Blendrahmen bei Montage unten auf den Brüstungsbereich aufgestellt wurde. Auch unten waagerecht muß zwischen Blendrahmen und Fensterbankbereich des Mauerwerks Luft verbleiben. Beim Aufstellen des Blendrahmens sind während der Montage an den Ecken entsprechende Distanzstücke zu verwenden. Wenn der Blendrahmen ggf. mittig aufliegt und dadurch nach oben hin (zum Flügel) durchgebogen wird, kann eine Mängelbeseitigung nur noch durch De- und Neumontage erfolgen.

2.4.7.3. Durchgebogene Flügelrahmen sind insbesondere dann festzustellen, wenn die Scheibenverklotzung mangelhaft durchgeführt wurde. Eine Beseitigung ist durch Umklotzen einfach möglich.

Wenn die Flügelrahmenteile zur Scheibe hin durchgebogen sind, laufen die geschweißten Rahmenecken enger als 90 °. Dies stellt normalerweise keinen Mangel dar; es entstehen aber u.U. Funktionsstörungen, weil das Beschlag-Kammermaß nicht gehalten wird. In einem derartigen Fall kann der Mangel beseitigt werden, indem ein zusätzlicher Distanzklotz eingebracht wird.

Wenn der Flügelrahmen von der Scheibe "weggebogen" ist, liegt normalerweise die Ursache nicht im System oder Element. Diese Durchbiegung entsteht besonders häufig bei Balkon- oder Terrassentüren, wenn der Rahmen an der Betätigungsolive von der Scheibe weggezogen wird. Ein Lösen der inneren Glasdichtung bzw. der Glasleiste, führt normalerweise dazu, daß das Flügelprofil wieder in seine ursprüngliche Lage zurückkehrt. Zusätzlich kann - weil bspw. Kinder gern an der Tür schaukeln - zwischen äußerer Glas-Vorlagedichtung und Scheibe Versiegelung eingebracht werden; dadurch wird der Rahmen an der Scheibe verklebt und der Mangel kann nicht erneut entstehen.

2.4.7.4. Funktionsstörungen, bspw. am Drehkipp-Beschlag, entstehen normalerweise immer dann, wenn das Beschlag-Kammermaß nicht eingehalten wird.

Die obenstehende Darstellung zeigt den relevanten Bereich eines Fensterschnittes mit dem rechts ausgewiesenen Kammermaß von 12 mm. Dieses Maß gilt für den größten Teil der Fenster bzw. Beschläge. Es resultiert aus der Höhe der Verschlußteile. So ist der Rollzapfen oder Schließnocken und das Schließstück jeweils 8 mm hoch. Wenn man nun jeweils das verbleibende Luftmaß und den Einschluß vermittelt, entsteht das Kammermaß von 12 mm.

2.4.7.5. Die Mittelverriegelungen unten haken bzw. der Flügel hakt, wenn das untere waagerechte Flügelprofil durchgebogen ist. Die Gründe können falsche Klotzung der Scheibe, "zu breiter" Flügel, zu hohes Scheibengewicht u.dgl. sein. Eigentlich handelt es sich also um eine statische Unterdimensionierung. Bei dunklen Fensterprofilen werden derartige Mängel noch eher sichtbar. Ohne auf die vielen Möglichkeiten der Mängelbeseitigung (bspw. Anordnung von Auflaufkeilen) einzugehen; bei der Bewertung eines derartigen Fensters ist auf die Kammermaße der anderen Falzbereiche zu achten.

Ein anderer Grund liegt häufig in mangelhafter Montage bzw. "Keilung/Abstützung" des Blendrahmens. Häufig sind diese bei derartigen Mängeln am unteren waagerechten Rahmenteil nach oben durchgebogen.

2.4.8. Kopplungen sind häufig mangelhaft, weil die Fugen zwischen den gekoppelten Blendrahmen insbesondere an den Enden, d.h. in den Eckbereichen keilartig aufklaffen. Dies ist ein Hinweis dafür, daß die temperaturbedingten Längenänderungen nicht berücksichtigt wurden.

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Über den in der vorstehenden Gliederung enthaltenen allgemeinen Teil hinausgehend, wird auf Grundlage des Systems Fenonyma ein allgemein informierendes Fensterhandbuch bereitgestellt.