Integratio® - Fensterhelfer


Allgemeine Fenstertechnik

2.2. Systemmerkmale - was Sie beachten sollten

2.2.1. Hauptprofile

Die Hauptprofile stellen die Basis des Systems dar. Ihre Grundmaße sollten nach dem Stand der Technik in Verbindung mit funktionellen, wirtschaftlichen Gesichtspunkten optimal ausgelegt sein. Übliche Konstruktionstiefen (für den Blendrahmen) liegen bei 60 mm. Durch verschiedene Blendrahmen (unterschiedliche Breiten) sollte in Verbindung mit dem entsprechenden Maueranschluß immer eine wirtschaftliche Gesamtkonstruktion zu finden sein. Flügel- und Blendrahmenprofile sollten eine Formgebung aufweisen, die eine ausreichende Verstärkung ermöglichen.

In vielen Unterlagen wird darauf hingewiesen, daß die Profilausbildung zu besonders günstigen k-Werten führt. So werden ggf. Prüfzeugnisse für einflügelige Fenster mit einem für den Rahmenbereich ausgewiesenen k-Wert von bspw. 1,5 W/m2 K aufgeführt. Lassen Sie sich durch solche Aussagen nicht irreführen; der k-Wert ist gemäß DIN 4108 mit kleiner/gleich 2,0 W/m2 K anzusetzen. Für den Rahmenanteil ist ein anderer Wert nur dann anwendbar, wenn der Wert für das System im Bundesanzeiger veröffentlicht wurde. In diesem Zusammenhang sei auf die Komplexizität der Zusammenhänge hingewiesen - der k-Wert hängt von

2.2.1.1. Hauptkammern

Nach der Festigkeitslehre ist die Stabilität eines Profils abhängig von dessen Länge, dem E-Modul des Materials, dem Profilquerschnitt und der Profilwandstärke.

Deshalb sollte die Profilkonstruktion so ausgelegt sein, daß neben den Funktionskammern eine Hauptkammer für ein Verstärkungsprofil mit statisch wirksamem Querschnitt zur Verfügung steht. Dabei ist es statisch günstig, wenn die Verstärkung eine möglichst große Tiefe aufweist; steht doch bei der Trägheitsmomentermittlung dieses Maß in der dritten Potenz.

2.2.1.2. Vorkammern

Flächenbündige Flügelprofile weisen durch den Flächenversatz auf der Außenseite Vorkammern auf. Daraus resultiert die Möglichkeit, auch extrem dicke Scheiben (Schallschutzgläser) einzusetzen, wie dies sonst nur mit besonders großen Konstruktionstiefen erzielbar wäre. Die dem Blendrahmen zugewandte Kante der Vorkammer sollte so ausgebildet sein, daß anfallendes Regenwasser abtropfen kann und nicht bis zur Flügel-Blendrahmen-Fuge geführt wird.

2.2.1.3. Entwässerungskammern

Ein Fenster unterliegt bei starkem Wind dauernden Wechselbelastungen durch Druck und Sog. Auch bei fachmännischer Verglasung können einzelne Wassertropfen in den Glasfalz eindringen. Ebenso in den Blendrahmenfalz bei Kippstellung des Flügels usw. Sie werden von der Wasserfangkammer aufgefangen und durch die Entwässerungskammern abgeleitet. Die Entwässerung des Glasfalzgrundes und des Blendrahmens sollte mittels Ausfräsungen in Form von Schlitzen oder mittels Bohrungen erfolgen. Sie sind so auszulegen, daß die Hauptkammern, in denen sich (bei Bedarf) die Verstärkung befindet, hiervon nicht berührt werden und der auf dem Fenster stehende Winddruck das Abfließen des Wassers nicht behindert.

Bei Fenstern mit Mitteldichtungs-System und zusätzlicher Außendichtung müssen bei höheren Beanspruchungsgruppen im oberen Blendrahmen-Aufdeckbereich zusätzliche Belüftungsöffnungen eingebracht werden, damit die Entwässerungszone des Blendrahmenfalzes druckentlastet wird. Nur wenn in diesem Bereich die gleichen Druckverhältnisse herrschen, wie in dem Bereich vor dem Fenster, kann das eingedrungene Wasser abgeleitet werden, ohne daß es dabei Druckunterschiede überwinden muß.

2.2.1.4. Rastbereiche

Glasleisten sind so abzustimmen, daß die Spalte zwischen Glas und Flügelaufdeck bzw. Glasleiste den Forderungen der Glasindustrie in bezug auf das Maß der elastischen Vorlage entsprechen. Die Befestigung der Glasleisten erfolgt mittels Verrastung. Eine eventuell notwendig werdende Entglasung sollte problemlos möglich sein. Glasleisten, die nur durch Einstechen von Stecheisen, Kittmesser o.dgl. entfernt werden können, bergen im Fall der Reparaturverglasung das Risiko von Verletzungen der Profilkanten.

Festverglasungen sollten auch im Blendrahmen, ohne Hinzuziehung irgendwelcher Zusatzprofile, direkt möglich sein. Besonders wichtig ist dies, wenn im gleichen Blendrahmen (bei mehrflügeligen Fenstern) bewegliche Flügel und feste Verglasungen auszuführen sind.

2.2.2. Glasleistenarten

Normalerweise sind Glasleisten in den Ansichtsflächen gerade ausgebildet. Eine derartige Formgebung erleichtert die Verarbeitung und bietet die Möglichkeit, die Glasleisten in den Eckpunkten stumpf zu stoßen. Dies ist technisch weniger aufwendig und ermöglicht einen spannungsärmeren Sitz der Glasleiste im Flügelrahmen.

Gerundete Glasleisten, allgemein Softline-Glasleisten oder ähnlich genannt, müssen in den Ecken auf Gehrung geschnitten sein, da sonst ggf. Einsicht in das Kopfende möglich ist, aufwendige Absetzarbeiten durchgeführt werden müssen usw. Auf Gehrung gestoßene Glasleisten müssen immer relativ stramm eingeschnitten werden, damit die Eckpunkte dicht und optisch sauber ausgeführt sind.

Die Glasleistenform hat normalerweise keinen Einfluß auf die Qualität der Verglasung. Zu beachten ist die Art der Einbringung u.dgl. Wenn eine Verrastung nur durch Einschlagen mit dem Hammer möglich ist, so führt dies unter Umständen zu Oberflächenverletzungen und birgt darüberhinaus das Risiko, daß die Flügelecken beim Einschlagen besonders hoch oder gar überbeansprucht werden und reißen.

Die Glasleisten sollten normalerweise leicht mit der Hand in Richtung gegen die Scheibe bzw. einzusetzende Platte gedrückt bzw. eingebracht werden können, ohne daß sie wieder zurückspringen, dabei Spannungen entstehen o.dgl.

Bei Verwendung von innenseitiger Keilverglasung (damit ist die Art der inneren Dichtung zwischen Glas und Glasleiste gemeint), entsteht der Druck für die Einspannung der Scheiben erst nach Einbringen derselben. Bei derartigen Verglasungs-Systemen wird der Einspanndruck nicht mit dem Einbringen der Glasleisten aufgebracht, sondern erst durch Einbringen der Keildichtung.

2.2.3. Verglasungsmethoden

Bei Kunststoffenstern sind sogenannte Trockenverglasungen üblich. Dabei werden Profile verwendet, wie sie in den Abbildungen erkennbar sind. In den letzten Jahren haben sich zunehmend Systeme mit koextrudierten Dichtungselementen an den Glasleisten durchgesetzt. Beachten Sie, ob für die elastischen Dichtungselemente TPE´s [vgl. Ökologiebetrachtungen] (thermoplastisch verarbeitbare Elastomere) verwendet werden; Weich-PVC-Elemente sind der ständigen Beanspruchung nicht gewachsen - die "Rückstelltendenz kann nicht gehalten" werden.

Bei der sogenannten Naßverglasung ist - wie beim Holzfenster - darauf zu achten, daß die sichtbaren Bereiche der Versiegelungsfuge keine optischen Mängel aufweist. Eine Alternative der üblichen Naßverglasung wird in den USA seit Anfang der achtziger Jahre ausgeführt. Dabei wird die Scheibe auf der Außenseite versiegelt bzw. dauerelastisch abgedichtet. Die Versiegelungsvorlage wird oberseitig durch Profilkanten abgedeckt, was zwar nicht "dem deutschen Regelwerk" entspricht; bei Auswahl geeigneter Materialien und Verfahren jedoch Vorteile bietet. So kann bspw. das Flügelrahmenprofil nicht mehr an der Scheibenkante "wandern", das Trägheitsmoment kann in bezug auf die y-Achse in den meisten Fällen unbeachtet bleiben, da Rahmen und Scheibe "miteinander verklebt" sind usw. Der Fachmann kennt die Argumente aus dem Bereich der Holzfenster-Verglasung.

Die obenstehende Abbildung zeigt eine vorstehend beschriebene "Naßverglasung". Dabei ist die außenseitig im Bereich eines dafür konturierten Profils dargestellte Versiegelung grau unterlegt. Statt der üblichen Materialien sind Lösungen auf Polybuthylenbasis o.dgl. möglich.

2.2.4. Beschlag-Aufnahmenut

Die Art und Dimensionierung der Beschlag-Aufnahmenut sollte auf sogen. Euronorm-Beschläge abgestimmt sein. Dadurch ist garantiert, daß handelsübliche Beschläge montiert werden können. Auch für evtl. erforderlichen späteren Reparaturbedarf ist dies zu beachten.

Zusätzliche Spezial-Schraubverstärkungsstege und eine kleine Mittelkerbe verbessern den Schraubensitz und die Qualität der Verschraubung. Wenn die Schrauben der Verschlußgetriebe immer einen geraden (nur so wird unangenehme Reibung der Beschlagschienen vermieden) und sicheren Sitz haben sollen, ist dies mit einer Mittelkerbe und einem Schraubkanal zu erreichen.

Die Aufnahmenut sollte mit seitlichen Nocken ausgerüstet sein, damit der Einsatz spezieller, kunststoff-fenster-gerechter Schubstangen-Beschläge möglich wird. Derartige Beschläge existieren bereits bei einigen Herstellern. Die Schubstangen werden eingeschoben und gleiten zwischen den Nocken der Beschlagnut. Die zu übertragenden Lasten werden so direkt von den Profilstegen übertragen und nicht von Befestigungsschrauben. Darüberhinaus sind technische Lösungen mit rostfreien Elementen möglich, wie sie im Aluminium-Fensterbau üblich sind.

2.2.5. Befestigung von Beschlagteilen

Die Beschläge haben nicht nur für einen guten Anpreßdruck des Flügels am Blendrahmen bzw. der Dichtungen zu sorgen, sie tragen auch die Last des Flügels. Deshalb ist es wichtig, daß die Schrauben für die Beschlagbefestigung [vgl. 2.3 "Beschlagbefestigung"] in mehreren Profilstegen und/ oder sogenannten Schraubkanälen fest verankert sind. So besteht die Möglichkeit, extreme Gewichte abzutragen, wie sie bei großen Flügeln oder ungünstigen Hebelverhältnissen entstehen.

2.2.6. Dichtungsebene zwischen Blendrahmen und Flügel

Die unterschiedlichsten Dichtungskombinationen für die Abdichtung der Ebene zwischen Flügel und Blendrahmen sind aus gestalterischen und technischen Gründen möglich.

Bei der Bewertung der verschiedenen Arten unterscheidet man zwischen

Bei Einsatz einer nicht sichtbaren Außendichtung oder einer Mitteldichtung wirken die Profilkombinationen, bspw. Blendrahmen und Flügel, als eine Fläche. Bei Einsatz einer sichtbaren äußeren Lippendichtung wirkt diese als gliederndes Element; die einzelnen Rahmen wirken als deutlich getrennte Elemente. Die Linienführung wirkt schlanker.

Mitteldichtung im Flügel oder stehend im Blendrahmen?

Wo liegen die Vor- und Nachteile der beiden Arten der Mitteldichtungsanordnung? Die von den jeweiligen Anbietern des Systems genannten Vorteile sollten nicht isoliert betrachtet werden. Bei den nachstehend aufgeführten Beispielen ist zu beachten, daß die gewählten Konstruktionen in ihren Merkmalen nicht Anspruch auf Funktionstüchtigkeit haben sollen.

2.2.6.1. Mitteldichtung im Flügel

Diese Ausführung hat einige Vorteile im Vergleich zur im Blendrahmen stehenden Mitteldichtung, weil

Als Nachteil kann gesehen werden, daß

Ein besonderer Nachteil ergibt sich für den Anwender, wenn ein Fensterelement Kombinationen aus festen und beweglichen Flächen aufweist, so bspw. ein Fenster mit einem Drehkipp-Flügel und einem darunter, darüber oder seitlich angeordneten Festteil.

In der Abbildung ist ein Pfosten- oder Riegelprofil abgebildet. Auf einer Seite schlägt ein Flügel ein und auf der anderen Seite befindet sich eine Festverglasung. Um ein derartiges Element so ausführen zu können, müßte auf der fest zu verglasenden Seite der Anschlag-Stegbereich im Pfostenprofil weggeschnitten oder ausgefräst werden. Dies bedeutet, daß diese Stegbereiche an den Blendrahmenprofilen teilweise (im Bereich des Festfeldes, bis zum Pfosten- oder Riegel) und am Pfosten- oder Riegelprofil einseitig weggeschnitten werden müßten, bevor der Rahmen verschweißt wird. Eine andere Lösung bestände darin, diese Stegbereiche am verschweißten Rahmen auszufräsen.

Das dargestellte Beispiel ist vergleichsweise einfach, wenn man berücksichtigt, daß bei den meisten Konstruktionen dieser Art zusätzliche Profile oder andere, höhere Glasleisten in den zu verglasenden Falz gebracht werden müssen. Die Falzhöhen korrespondieren nicht mit den zu verglasenden Fälzen.

Naturgemäß sollte den Fenster- bzw. Endkunden der Aufwand in der Fensterfertigung nicht weiter interessieren. Es ist aber einsichtig, daß eine derartige Konstruktion tendenziell aufwendiger und damit kostenintensiver ist und somit die Wirtschaftlichkeit des Systems damit die Wettbewerbsfähigkeit des Herstellers berührt.

2.2.6.2. Mitteldichtung stehend im Blendrahmen

Die Vorteile dieser Ausbildung liegen unter anderem darin, daß

Ein besonderer Vorteil der im Blendrahmen stehenden Mitteldichtung liegt in den meisten Fällen darin, daß die Fälze korrespondierend ausgebildet werden können. Dies bedeutet, daß der Flügel-Glasfalz formal und von seinen Grundmaßen her gleich ausgebildet ist, wie der Blendrahmenfalz.

Das in der obenstehenden Abbildung gewählte Beispiel steht als Vergleich zur vorhergehenden Abbildung und zeigt ebenfalls einen Pfosten- oder Riegelbereich mit einer Kombination aus einem Festteil und einem einschlagenden Flügel.

Bei einem Fenstersystem mit stehender Mitteldichtung ist eine derartige Kombination normalerweise problemlos. In den fertig geschweißten Blendrahmen wird in dem Bereich, in dem der Flügel angeschlagen werden soll, die Mitteldichtung eingezogen (wenn sie nicht schweißbar ist und schon mit geschnitten und verschweißt wurde) und in den anderen Bereich die Glasleisten eingepaßt.

Derartige Kombinationen sind ohne Fräs- und Schneidarbeiten einfach herstellbar.

Als Nachteil kann gesehen werden, daß

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