Integratio® - Problemhelfer
Taupunktbildung


Fragestellung nach mangelhafter (behindertengerechter) Schwellenausführung und den sich ergebenden Problemen, weil nicht erkannt wurde, welche Oberflächentemperaturen bei derartigen Konstruktionen zu erwarten sind.
Derartige Mängel können zu erheblichen Schäden führen. Fragestellung und Möglichkeiten der Mängelbeseitigung
Beispiel aus einem (Objekt hätte gemäß Wärmeschutzverordnung 95 ausgeführt werden müssen) Gutachten:
Die Balkon-/Terrassentüren sind in den Schwellenbereichen mangelhaft ausgebildet, die Moosgummidichtungen verkleben und sind teilweise abgerissen, es bildet sich Eis und Schwitzwasser. Die Beschlagteile rosten.

Dazu: Die untenstehende Schnittzeichnung soll die in der Fragstellung formulierten Probleme verdeutlichen. Das Schnittbild zeigt die ausgeführte Lösung. Mit grauem breiten Dreieck auf der Trittkante des Schwellenprofils wird verdeutlicht, wo die Antragsgegnerin zur Verbreiterung der Dichtungs-Anschlagebene bzw. des Überdeckungsmaßes ein Aluminium-Flachprofil auf das Schwellenprofil geschraubt hat, weil nach Vortrag des Antragstellers "vorher an einigen Türen überhaupt keine Dichtungs-Anlagefläche mehr bestand - die Antragsgegnerin hatte die Kammermaße falsch gewählt".

Die Antragsgegnerin hat nach ersten Mitteilungen über Undichtigkeiten versucht, den Bereich zwischen Flügelunterkante und Schwelle besser abzudichten. Zu diesem Zweck hat sie über den Dichtungsprofilen VK-Bänder gegen die Flügelaufdecks geklebt.

Das obenstehende Foto zeigt den Schwellenbereich. Mit dem Schraubenkopf auf der Trittkante des Schwellenprofils ist die Lage der Befestigungsschraube des dort zusätzlich zur Verbreiterung des Überdeckungsmaßes aufgebrachten Aluminium-Flachprofils erkennbar.

Das obenstehende Foto zeigt den Anschluß der Schwelle an den senkrechten Blendrahmenteil bzw. den Schwellenbereich in vergrößertem Abbildungsmaßstab.

Auf dem Schnittbild und den Fotos ist erkennbar, daß die Aluminiumstege des Schwellenprofils bis zur Raumseite geführt sind. Ebenso wird deutlich, daß der Flügelaufdeck als einziger trennender/isolierender Profilbereich zwischen kalter Außenluft und warmer Raumluft steht. Auf die daraus resultierenden Temperaturverläufe wird im Zusammenhang mit der Mängelbeseitigung eingegangen.

Im Bereich der dunklen Zone unter dem Flügelprofil ist ein VK-Band (vorkomprimiertes Dichtband), in der Frage mit "Moosgummidichtung" bezeichnet, angeordnet.

Das obenstehende Foto zeigt das unter dem Flügelprofil angeordnete VK-Band bzw. den Flügel-Aufdeck mit Resten desselben in vergrößertem Abbildungsmaßstab.

Das obenstehende Foto zeigt den Schwellenbereich; das angehaltene Maßband verdeutlicht die Ausführungen. Durchgehenden Aluminiumsteg beachten!

Zur Fenster- und Beschlagpflege hatte ich mich auf Frage der Beteiligten geäußert. Ein Beispiel für die Folgen falscher konstruktiver Schwellenausbildung und daraus resultierenden Schäden an den Beschlägen zeigen die nachfolgenden Bilder.

Das nachfolgende Foto zeigt den unteren getriebeseitigen Eckbereich des Erstflügels einer geöffneten Stulptür. Durchgehenden Aluminiumsteg beachten!

Das obenstehende Foto zeigt den gleichen Eckbereich des Erstflügels der Stulptür; der Flügel ist bei geöffnetem Zweitflügel in Verschlußposition.

Das obenstehende Foto zeigt den unteren getriebeseitigen Eckbereich des Zweitflügels der Stulptür; der Flügel ist bei geöffnetem Erstflügel in Verschlußposition. Der dunkle Bereich zwischen Schwelle und Beschlagteil dokumentiert den nach unten ausgeschlossenen Verriegelungsstift. Der grüne Hinweispfeil kennzeichnet die Profilzone, die als einziger trennender/isolierender Profilbereich zwischen kalter Außenluft und warmer Raumluft steht.

Das obenstehende Foto zeigt den unteren Bereich der Tür. Die Wasser-Verlaufsspuren und die Moosbildung auf den Profilen sind Hinweis für erhöhte Feuchtigkeitsbelastung in Folge Taupunktbildung aufgrund mangelhafter konstruktiver Ausbildung und der planerisch nicht ausreichend berücksichtigten Gesamtzusammenhänge.

Zusammenfassend: Die Frage war insgesamt zu bejahen.


Nachdem die Beteiligten sich darauf verständigt hatten, die Mängel mit angemessenem Aufwand zu beseitigen, wurden nachfolgend beschriebene Maßnahmen durchgeführt und die Ergebnisse beschrieben.

Der Ist-Zustand wurde aufgenommen. Bei den Türen mit Balkon- oder Terrassenanschluß war eine 250er Al-Bank gegen das Schwellenprofil geschraubt.

Das obenstehende Schnittbild verdeutlicht den Anschluß mit der davorliegenden Al-Bank. In der Zeichnung ist ein Plattenstreifen aus PVC-Integralschaum dargestellt und auf diesem ein zusätzlicher mit Quellschweißmittel bzw. PVC-Kleber verklebter Streifen aus Hart-PVC mit abgekanteter Zone analog Winkelstellung der Al-Bank im vorderen Bereich. Die schlecht anpaßbaren Bereiche sind ockerfarben unterlegt, um eine Verfüllung und Verklebung mit Zweikomponenten-PU-Montageschaum darzustellen. Statt der zweilagigen Isolierung der Al-Bank kann mit einem Koextrudat (PVC-Schaum mit harten Deckschichten) gearbeitet werden.

Bei dieser Art der Ausführung kann (im Sinne des Vortrags der Antragstellerin) "eine Wärmedämmung wie dargestellt aufgebracht werden". Zusätzlich sind auf der Raumseite neben den Flügelaufdecks Plattenstreifen aus geschäumtem Hart-PVC aufzukleben, um die "offenliegenden" Aluminiumstege des Schwellenprofils abzudecken.

Die danach ausgeführten Arbeiten erfolgten an verschiedenen Türen.

Die raumseitigen Kunststoff-Abdeckplättchen waren an den vorgegebenen Bereichen montiert und die Schwellenabdeckung war so ausgeführt, daß zwischen Flügel-Unterkante und Schwelle ein Spalt von 2 bis 3 mm Breite bestand.

Die Ergebnisse der Sanierung bzw. die danach gemessenen Außen- und Oberflächentemperaturen sind nachstehend mit Bezugnahme auf die in der obenstehenden Innenansicht bezeichneten Meßpunkte aufgeführt.

Meßpunkte

A

B

C

D

E

F

G

H

I

J

Oberflächentemperatur

11 °C

11 °C

12 °C

9 °C

9 °C

19 °C

13 °C

13 °C

11 °C

11 °C

Die Messung erfolgte bei einer Außentemperatur von -5 °C

Das Ergebnis der Sanierung bzw. die Meßergebnisse bestätigen, daß eine Sanierung der Schwellenbereiche abstimmungsgemäß erfolgen kann. Bei den üblicherweise vorkommenden Wintertemperaturen ist mit der Unterschreitung einer Oberflächentemperatur von 10 °C nicht zu rechnen. Die Durchführung von Isoliermaßnahmen an den Fensterbankprofilen und eine abschließende Bewertung der an den Schwellenbereichen durchzuführenden Maßnahmen sollte nach Ende des Winters durch Antragstellerin und Antragsgegnerin erfolgen.

Zusammenfassend: Die Sanierung war erforderlich, weil vorher bei Außentemperaturen von -5 °C im Bereich der Flügelaufdecks unten waagerecht und bis in eine Höhe von bis zu 90 cm über dem Boden die raumseitige Oberflächentemperatur teilweise nur 6 °C und weniger betrug. Die raumseitigen Kanten der Aluminiumstege des Schwellenprofils lagen teilweise bei unter Null Grad und das sich bildende Kondensat gefror zu Eis.


Das vorstehende Beispiel zeigt, daß auch bei scheinbar unlösbaren Problemen ggf. die Hinzuziehung eines Sachverständigen zur zumindest weitestgehenden Beseitigung der Mängel führen kann.
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